ELEKTRA

nach Sophokles

 

Unerbittliche Gerechtigkeitskämpferin oder Terroristin, Hausbesetzerin oder Aktivistin? Der antike griechische Mythos von Elektra, der Tochter von Klytaimnestra und Agamemnon, hat in seiner Radikalität gerade jetzt wieder Bestand. Elektra trauert um ihren Vater, der von ihrer Mutter und deren Liebhaber Aigisth ermordet wurde. Sie protestiert jahrelang vor den Toren der Stadt und fordert Rache an Klytaimnestra, die keine Reue über den Mord empfindet, da ihr Mann die andere Tochter Iphigenie am Altar der Artemis geopfert hat. Elektras Bruder Orest kehrt nach jahrelangem Exil zurück nach Mykene, vollführt eine List und hilft so Elektra Rache an Mutter und Geliebtem zu üben. Die auf zwei Morde gegründete neue Ordnung von Orestes lässt offen, ob sich die Lebenssituation von Elektra und den anderen Bürgern Mykenes wirklich verbessert hat, deutet sich doch mit dem jungen Mann nur ein neuer Tyrann im Herrscherhaus an.  Wen trifft hier Schuld, wer ist unschuldig? Was ist gerecht? Handeln oder Nicht-Handeln? Gerade in Zeiten von G20-Protesten und radikalen politischen Positionen bleibt es nicht aus sich zu fragen, welche Mittel gerechtfertigt sind, wenn man glaubt für eine gerechte Sache zu kämpfen. Und wie weit man für seine Überzeugung gehen sollte. Dabei fasziniert besonders die junge, starke Frauenfigur Elektra, die eine Protestbewegung ins Leben ruft, allen Widerständen in der Gesellschaft zum Trotz, sowie deren Beweggründe sich so zu radikalisieren.

 

Theater an der Weinstraße, Bad Dürkheim

Premiere: 24. November 2018

 

Regie: Susanne Schmelcher

Bühne und Kostüme: Laura Dreyer

Dramaturgie: Naomi Hutomo

Mit: Judith Becker, Silke Schmidt, Marlena Lüneburg, Marisa Fickeisen, Cora Neubauer-Pfähler, Yanice Böttcher, Regina Miller, Laura Dreyer, Levin Steinbach, Franz Leiß, Till Bechtloff, Andreas Böcker

Fotos: Luise Böttcher

Pressestimmen

 

"Die Regie von Susanne Schmelcher liest den Klassiker mit viel Gespür für seine Spannung und Lebendigkeit. Dabei umschifft sie bewusst die Gefahr, die Handlung zum psychologischen Einfühlungstheater zu machen. [...] Stark zeigt sich die Inszenierung auch in ihren Dialogen. Das Pathos der Sprache wirkt für den modernen Hörer nicht übertrieben, im Gegenteil: Ihre empörerische Kraft gibt das Stück beeindruckend wieder. Wie in antiken Zeiten erschüttert den Zuschauer die Wucht der vernichtenden Sätze, die sich Elektra und ihre Mutter entgegenschleudern."

Sigrid Ladwig / Die Rheinpfalz / 26.11.2018