AUTOMATENBÜFETT

von Anna Gmeyner

Eine Koproduktion von Theater im Bauturm, Volksbühne am Rudolfplatz und Verein Freie Volksbühne

 

Ein Automatenbüfett ist nicht nur der letzte Schrei in der Kleinstadt Seebrücken zur Zeit des sozialen Umbruchs in den Goldenen Zwanzigern – es ist auch der Begegnungsort für Ausgestoßene der Gesellschaft wie Stadthonoratioren gleichermaßen. Vom abgebauten Lehrer bis zum Stadtrat treffen alle in der Wirtsstube und im angrenzenden Hinterzimmer aufeinander, wo der lokale Anglerverein umweltfreundliche Neuerungen in der Fischwirtschaft kontrovers diskutiert. Alles geht seinen kleinstädtischen Gang – doch als der Mann der Wirtin Frau Adam eine junge Frau vor dem Ertrinken rettet und als neue Servierkraft anstellt, gerät die soziale Ordnung zusehends aus den Fugen. Die gar nicht so ehrbaren Gäste des Automatenbüffets werden zu Kontrahenten um Geld, Erfolg und Liebe. Als schließlich auch noch der alljährliche Festumzug stattfindet, wird hinter Bier, Wurstbroten und provinzieller Günstlingswirtschaft immer deutlicher die Katastrophe des aufdämmernden Faschismus sichtbar. Das erst kürzlich vom FAZ-Feuilleton wiederentdeckte Automatenbüfett, das die jüdische Autorin Anna Gmeyner 1932 kurz vor ihrer Emigration aus Deutschland schrieb, spannt so unterschiedliche Themen wie wachsenden Antisemitismus, ökologische Nachhaltigkeit und die fortgreifende Ökonomisierung menschlicher Beziehungen vor der komödiantischen Kulisse des Volkstheaters auf. Mit zupackendem Humor, aber nicht ohne Hoffnung gelingt Anna Gmeyner der panoramaartige Querschnitt durch eine gefährdete Gesellschaft auf Messers Schneide. Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Besucherorganisation Freie Volksbühne e.V. kommt das vergessene Juwel, dem durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten eine kontinuierliche Aufführungstradition versagt blieb, nun als Koproduktion der Theaterinstitutionen auf der Aachener Straße mit prominenter Besetzung auf die große Bühne des einzigen erhaltenen Kölner Theatersaals aus der Vorkriegszeit. 

 

Volksbühne am Rudolfplatz Köln

Premiere: 12. März 2022

 

Regie: Susanne Schmelcher

Bühne und Kostüme: Christina Kirk

Musik: Buddy Sacher

Video: Frederik Werth

Dramaturgie: René Michaelsen

Mit: Nicole Kersten, Susanne Pätzold, Nele Sommer, Daniel Breitfelder, Marc Fischer, Gerd Köster, Jonathan Schimmer, Buddy Sacher, Sümeyye Algan, Susanne Kamp, Norbert Rüther, Philipp Voigt

Fotos: Martin Rottenkolber 

PRESSESTIMMEN

 

"Es lebe das Volkstheater! (...) Susanne Schmelcher hat im "Automatenbüfett" nun den idealen Stoff zum hundertjährigen Bestehen des Vereins freie Volksbühne Köln gefunden: leicht zugängliches, genussfreudiges Volkstheater, dessen schneidender Blick auf die Gesellschaft auch nach 90 Jahren noch nicht stumpf geworden ist. (...) Schmelcher ist in Köln zuletzt mit Inszenierungen von „Kleiner Mann – Was nun?“ und Doğan Akhanlıs „Madonnas letzter Traum“ positiv aufgefallen, beide im Theater im Bauturm. Die gegenüberliegende Volksbühne am Rudolfplatz, das ehemalige Millowitsch-Theater, hat allerdings ganz andere Dimensionen. Doch Schmelcher zeigt sich dem Raum mehr als gewachsen, obwohl es anfangs so scheint, als würde Christina Kirks Café-Kubus mit seinen weißen Streben die Bühne unnötig verkleinern. Er tut es nicht, stattdessen verdeutlicht er noch Gmeyners Kleinstadtmodell einer ausgehöhlten Gesellschaft. Starkes Stück, starke Aufführung, bittere Moral."

Christian Bos / Kölner Stadt-Anzeiger / 14.03.2022

 

"Susanne Schmelcher gelingt es, den Horror Vacui als treibende Kraft zu inszenieren."

Hans Peter Brodüffel/ Kölner Rundschau/ 14.03.2022